
Der Geräuschpegel wurde immer lauter, neben dem Reiseleiter dudelte eine CD mit den letzten Hits der russischen Parade parallel zu dem Geplärre einer verstaubten sowjetischen Komödie aus dem Fernseher.
Mittagspause! Zwei Stunden Ruhe! Wir suchten uns ein schönes Plätzchen am See, um den Omul, der unser einziger Essensvorrat an diesem Tag war, zu verspeisen. Weil so ein Omul aber zu zweit schnell verspeist ist und sich die Steine am Wasser alles andere als bequem erwiesen, streiften wir durch die nähere Umgebung. Egal wo wir auch hingingen, überall trafen wir andere Touristen auf der Suche nach einem ungestörten Plätzchen. Und die Mücken ignorierten unsere Mückencreme und stürzen sich auf uns, so dass wir den Rest der Mittagspause in Bewegung auf der Flucht vor diesen Biestern waren.
Als es endlich weiter ging, resümierten wir endlich die Hälfte der Strecke erreicht zu haben. Immer mehr Leute stiegen aus, um einfach weiter zu wandern. Wir waren auf so ein Abenteuer aber nicht vorbereitet und ärgerten uns schwarz, dass wir im Zug gefangen waren.
Der Reiseleiter organisierte währenddessen Quartiere für die Nacht. Nachdem ich mich danach erkundigte und bereitwillig Auskunft über unsere Herkunft und Reiseziel gegeben hatte, erzählte der mittlerweile quasselige Reiseleiter über das Mikro über die ausländischen Gäste an Board. Wir wurden ganz klein in unseren Sitzen und wünschten uns einmal mehr weg aus diesem Zug.
Die Krönung der Fahrt war der begeisterte Ausruf des Reiseleiters, etwa eine Stunde vor Ende der Tortur, dass er uns jetzt was ganz neues präsentiert. Neuerdings war an Board des Sonderzuges sogar Karaoke möglich! Um dies zu demonstrieren und uns auf die nächsten Fahrten einzuladen, wo dann die ganze Fahrt gesungen werden könnte, schepperte er auch gleich die schönsten russischen Schlager drauf los.