
Aufstieg - Woschoschdenje
Und so kam schon der grosse Tag. Am Sonntagmorgen machten wir uns auf. Vom Basislager aus müssen noch drei Abschnitte bewältigt werden. Der erste Teil führt entlang des Baches Muguwjek etwa drei Stunden sanft in die Höhe. Wir gingen direkt auf dem noch meist vereisten Muguwjek, an einigen Stellen kostete uns dies aber nasse Füsse und ab Mai ist wohl der Weg neben dem Bach zu bevorzugen.
Der zweite Teil führt über 500 Höhenmeter durch einen steinigen Hang auf eine Ebene, auf der ein kleiner See liegt. Für mich war dies der mühsamste Teil, die Kombination von Steinen und weichem Schnee war recht unberechenbar.
Jetzt bleiben noch 900 Höhenmeter bei einer durchschnittlichen Steigung von 45%. Der Gipfel ist sichtbar, es gilt nun einfach den Hang hinaufzusteigen. Zuerst bedeutete dies für uns Stapfen durch den Tiefschnee, dann sanken wir immer weniger ein und das steile Schlussstück war vereist. Unglücklicherweise hatte ein Gruppenmitglied schon früh einen Steigeisendefekt und dies wurde jetzt echt schwierig. Die beiden Freunde aus Ulan-Ude gingen fortan als enge Seilschaft: Pawel, mit Steigeisen, machte zwei Schritte, verankerte Eispickel und Steigeisen im Eis und liess Tschingis nachsteigen. An den heikelsten Stellen ging ich hinter ihnen und versuchte jeweils die Schuhe von Tschingis mit meinem Eispickel zu stützen. Hartes Eis lag vielleicht auf den letzten 100 Höhenmetern, doch dieses Klettern war so ermüdend, dass wir erst etwa eine Stunde nach unseren Kameraden auf dem Gipfel ankamen. Es war inzwischen bereits sechs Uhr geworden, der Aufstieg hatte uns 10 Stunden gekostet und bis zur Dämmerung verblieben noch 2 Stunden.
Ich war sehr überrascht über diese Zeitplanung. Unser Gruppenführer hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass wir wesentlich weniger Zeit benötigen würden, und doch starteten wir erst um 8 Uhr und liessen die Taschenlampen bis auf zufällige Ausnahmen im Basislager.