
Eine Ursache war sicher die strategisch günstige Lage an der Ost-West-Haupthandelsroute des Russischen Reiches, welche Irkutsk seit der Gründung 1661 zu ständigem Aufschwung verhalf. Mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn wurde die Rolle als Ost-West Umschlagplatz weiter gefördert. Entscheidend für das heute so europäische Erscheinungsbild von Irkutsk ist aber vor allem ein dunkles Kapitel der Russischen Geschichte - die Praxis der Zaren, alle unliebsamen politischen und sonstigen Gegner nach Sibirien zu verbannen. Es mag als Ironie der Geschichte erscheinen, dass gerade dieser Zwangstransfer der geistigen Elite Russlands wichtige Impulse für die Entwicklung Sibiriens und gerade Irkutsks gebracht hat. Besondere Beachtung verdienen dabei die sogenannten Dekabristen, eine Gruppe russischer Adliger, welche 1825 nach einem gescheiterten Putschversuch in die Region um Irkutsk verbannt wurden. Nach Verbüßen ihrer Haftstrafen siedelten sich viele von ihnen in Irkutsk an und beeinflussten mit ihrem Wirken nachhaltig die Entwicklung der Stadt. Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und selbst die Landwirtschaft wurden durch ihr Wirken beflügelt. Nach der Oktoberrevolution 1917 behielt Irkutsk im Zuge der planmäßigen Erschließung Sibiriens seine bedeutende Stellung bei. Die Eröffnung der Universität und verschiedener Forschungseinrichtungen sowie der Ausbau der Industrie sicherte langfristig die Stellung als geistiges und wirtschaftliches Zentrum Westsibiriens.
Diesen geschichtlichen Hintergrund vor Augen, wird ein Bummel durch Irkutsk eine spannende Reise in die Vergangenheit, bei der es viele Details zu entdecken gilt.