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Wechselhafte Zeiten - Irkutsk im Wandel!

Nur wenige Besucher verschlägt es wiederholt nach Irkutsk und doch hat gerade dies einen besonderen Reiz, denn nur so nimmt man die mehr oder weniger subtilen Veränderungen wahr. 1995 waren westliche Ausländer noch fast Exoten in diesem Teil Russlands und wohl nur diesen ist aufgefallen, dass der soeben vorbei gefahrene Mercedes S500 noch ein Münchner Nummernschild hatte. Nun, der neue Eigentümer konnte sich sicher sein, kein Münchner würde sein verloren gegangenes Gefährt jemals in Sibirien suchen. Und selbst wenn, wer sollte es ihm zurück nach Bayern fahren? Die russische Mafia jedenfalls hatte diesen Geschäftszweig noch nicht für sich entdeckt. Aus gutem Grund wohl.

Neben dem Einzug der Stuttgarter Edelkarossen kam es aber bald auch zu weiteren Veränderungen im Stadtbild von Irkutsk. Zeugte damals zumindest noch der Schriftzug "Fichtelberg" über dem Eingangs eines Restaurant am Stadium von der Partnerschaft zwischen der KPDSU in Irkutsk und der SED Parteileitung von Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz), so stolzierte wenige Jahre später die junge Irkutsker High Society in diesem Räumen herum, um sich neu einzukleiden. Der Name und das Angebot haben sich radikal geändert. Aus "Fichtelberg" ist "Voyage" geworden, aus Pelmeni und Schnitzel, Kleider von Armani und Versace. Nur die Funktion des obligatorischen Türstehers hat sich nicht geändert. Sie sollen auch heute noch unliebsamen Besuch fern halten. Heute wie damals entscheidet die soziale Stellung darüber, wer hier sein Geld ausgeben darf.

Ganz legal kamen jedoch ganz andere Karossen nach Irkutsk. In großen Lettern wurde auf alten Bussen der Marke Ikarus für den Besuch des WERTkauf Centers in Heidenau bei Dresden geworben. Wie früher in der DDR zogen die Busse eine dicke schwarze Rauchwolke hinter sich her. Wer sollte sich da die Mühe machen, die schönen bunten Werbebotschaften zu entfernen.

Viel später erst hat man in Irkutsk das erste russische Denkmal geschleift. Allerdings hat man sich keineswegs an das 1950 an der Stelle der lutheranischen Kirche aufgestellte Lenindenkmal herangewagt. Vielmehr ließ man das 1908 nach der Eröffnung der Transsibirischen Eisenbahn zu Ehren des Zaren Alexander III errichtete Denkmal neu erstehen. Erst drei Jahre nach der Oktoberrevolution hatte man die Bronzestatue des Zaren demontiert und vermutlich eingeschmolzen. Zurück blieben nur vier markante Bronzereliefs am Sockel, darunter der Doppeladler mit dem Ukas (Erlass) des Zaren zum Bau der Transsib. Erst 1964 "vervollständigte" man das Denkmal wieder und setzte auf den Sockel einen Betonobelisken, der den Entdeckern bzw. Eroberern Sibiriens gewidmet war. Mit Hilfe mehrerer Sponsoren wurde nun im Oktober 2003 das alte Zarendenkmal wieder errichtet und der Obelisk verschwand aus dem Stadtbild.

Und während man schon seit einigen Jahren keine Autos mit deutschen Kennzeichen (von einigen verwegenen deutschen Touristen einmal abgesehen) mehr auf den Straßen von Irkutsk sieht, sitzen mittlerweile fast 50% aller Autofahrer auf der vermeintlich falschen Seite. Die Wagen werden über Wladiwostok aus Japan importiert und dort herrscht bekanntlich Linksverkehr.

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