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Winterquerung des Baikalsee

von Sebastian Breitenbach

Eigentlich ein ganz simpler Plan: man schnappt sich Zelt und Kocher und geht einfach drüber ... Das damit ein wenig mehr zusammenhängt, ist leicht einzusehen. Man sollte sich der Eisverhältnisse versichern, auf jeden Fall gut gegen den Wind, der quasi ständig bläst, geschützt sein und einen warmen Schlafsack dabei haben. Im Februar 2003 planten eine Freundin und ich die "Überquerung des Baikal als Spaziergang". Der Winter war endlich da und wir kamen in Irkutsk an. Hier hörten wir von Freunden, dass ungewöhnlich viel Schnee gefallen sei und so das Eis des Baikal fast nirgends gut zu sehen wäre. Das war zwar sehr schade, hielt uns aber dennoch nicht auf und so fuhren wir nach Verpflegungseinkäufen mit dem Bus nach Listvjanka und liefen los ...

Wir planten eine Übernachtung am westlichen Ufer, ein wenig nördlich von Listvjanka, um das Wetter zu beobachten und bei Bedarf umzukehren oder zu warten. Ausgerüstet mit Spikes zum unter die Wanderschuhe schnallen und Sonnenbrillen kamen wir gut voran, wobei uns das Wetter günstig war. Wir wollten den nächsten Tag Richtung Babuschkin laufen und auf dem Eis unser Zelt aufschlagen. Meine Begleiterin hatte sich allerdings in Irkutsk erkältet und so war sie nicht in bester Verfassung. Trotz allem wollte sie aber unbedingt laufen und so ging's dann auch am nächsten Tag bei etwas verschlechtertem Wetter weiter. Wir mussten eine ganze Weile warten, bis sich die Wolken einigermaßen verzogen hatten. Wir liefen einige Stunden, machten nur selten Pausen um einen Tee zu kochen und waren erstaunt ob der wenigen Tarrossij, der Eisbarrieren, die sich gewöhnlich als schwer passierbare Hindernisse vor einem aufbauen. Dieses Jahr war das Eis am Südbaikal wohl einigermaßen ruhig zugefroren. Am Nachmittag kam etwas Wind auf, was uns nicht sehr angenehm war, denn bald begann es zu schneien und die Sicht auf die Berge vor uns wurde immer schlechter. Kurz darauf konnten wir nur noch per Kompasspeilung vorankommen, schlugen auch einen etwas kürzeren Bogen nach Priboi, um das Ufer schneller zu erreichen. Gegen Abend suchten wir einen Platz für unser Zelt. Eine gute, windgeschützte Stelle schien uns hinter einer aufgetürmten Scholle zu erwarten, doch kaum hatten wir in die Schneewehe dahinter ein Loch gegraben knackte es unter uns so gewaltig, dass wir schleunigst eine "tektonisch" weniger bewegte Stelle zu suchen bereit waren. Windschutz war eine Rarität und so mussten wir das Zelt bei Schneetreiben mitten auf einer großen, festen Platte errichten. Mit Eisschrauben verankerten wir unser Heim und legten sicherheitshalber rund ums Außenzelt noch große Eisblöcke, damit wir nicht weggeweht würden.

Kurz darauf brummte schon der Kocher im Wind und als wir unser Abendbrot (Tee und Nudeln) im Windschatten auftischten, ging's uns gleich viel besser. Nudeln können wohl kaum besser munden als nach einem Marsch durch die winterlichen -20°C. Schon während des Festmahls hatte der Wind an Stärke zugenommen und ich zurrte das Zelt mit Extraschnüren zusätzlich fest. So gesichert, schliefen wir bald ein. Mitten in der Nacht wurde ich von kratzenden Geräuschen und ordentlichem Getöse draußen wach und überlegte, wer da wohl sein könnte. Aber nach einem Kontrollgang war klar: Der Wind war zur steifen Brise geworden und das Schneetreiben lies den Schnee am Außenzelt rascheln. Irgendeine Ecke war wir nicht beschwert, so dass sie nun flatterte und gewaltig Krach machte. Wieder im Schlafsack, wartete ich nur noch darauf, dass uns das schützende Dach wegflöge... Aber außer einem richtig kalten, nebligen Morgen bescherte uns der Sturm nichts. Die Sicht war gleich Null und das Eis von Neuschnee bedeckt. Tja, weder ein tolles Foto war da zu machen, noch Spalten oder Verwerfungen zu erkennen. Meiner Begleiterin ging's noch dazu schlechter, wir machten uns also nach dem Frühstück bald auf den Weg, um endlich das andere Ufer zu erreichen. Noch im Jahr zuvor hatte kaum Schnee gelegen und das blanke Schwarzeis zeigte phantastische Kristalle und Formen. Und wir stapften nun durch teilweise hüfttiefen Schnee und kämpften uns durch langgezogene Eisbarrieren. Die Sicht wurde ein wenig besser, aber trotzdem waren wir ein bisschen enttäuscht; besonders Kathrin als Fotografin hatte sich natürlich mehr erhofft. Am Nachmittag kamen wir durch die letzten Eisbarrieren in Küstennähe, sahen schon vereinzelte Gehöfte und die Züge der Transsib-Strecke, und schwenkten nach Perejomnaja ab, was am nächsten gelegen war. Erschöpft erreichten wir das Ostufer und liefen bis zur Haltestelle der Transsib, an der auch die Elektritschka, die Regionalbahn, hielt. Da noch zwei Stunden bis zum nächsten Anschluss zu überbrücken waren, kochten wir noch einmal Tee. Mit der Bahn fuhren wir dann nach Sljudjanka und von dort aus noch am gleichen Abend bis Irkutsk zurück. Eigentlich also ein ganz kleiner Dreitagesspaziergang, der nur wegen der Wetterverhältnisse "extrem" wurde ...

Wanderungen über den Baikal sind demnach immer umsichtig vorzubereiten, egal wie kurz sie geplant sind. Das Wetter kann wie in unserem Fall sehr schnell umspringen und schon liegt man mehrere Tage fest. Mehr als ausreichende Reserven an Benzin und Verpflegung sollten also prinzipiell mitgenommen werden, Eisschrauben sind ein Muss, ebenso warme Wäsche zusätzlich. Freunde aus Potsdam querten den Baikal auf seiner Gesamtlänge von Süd nach Nord (www.crossbaikal.de), was eine ganz andere Dimension und nicht vergleichbar mit unserem Ausflug ist. Wer sich für eine solche Wanderung interessiert, kann sich gern an mich persönlich wenden. (email). Landschaftlich abwechslungsreicher, interessanter aber auch insgesamt zeitintensiver sind vielleicht Wanderungen um die Halbinsel Svjatoi Nos oder die Insel Olchon, wie wir sie im gleichen Winter noch unternahmen. Mir bleibt, jedem viel Spaß zu wünschen.

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