
Kurz darauf brummte schon der Kocher im Wind und als wir unser Abendbrot (Tee und Nudeln) im Windschatten auftischten, ging's uns gleich viel besser. Nudeln können wohl kaum besser munden als nach einem Marsch durch die winterlichen -20°C. Schon während des Festmahls hatte der Wind an Stärke zugenommen und ich zurrte das Zelt mit Extraschnüren zusätzlich fest. So gesichert, schliefen wir bald ein. Mitten in der Nacht wurde ich von kratzenden Geräuschen und ordentlichem Getöse draußen wach und überlegte, wer da wohl sein könnte. Aber nach einem Kontrollgang war klar: Der Wind war zur steifen Brise geworden und das Schneetreiben lies den Schnee am Außenzelt rascheln. Irgendeine Ecke war wir nicht beschwert, so dass sie nun flatterte und gewaltig Krach machte. Wieder im Schlafsack, wartete ich nur noch darauf, dass uns das schützende Dach wegflöge...
Aber außer einem richtig kalten, nebligen Morgen bescherte uns der Sturm nichts. Die Sicht war gleich Null und das Eis von Neuschnee bedeckt. Tja, weder ein tolles Foto war da zu machen, noch Spalten oder Verwerfungen zu erkennen. Meiner Begleiterin ging's noch dazu schlechter, wir machten uns also nach dem Frühstück bald auf den Weg, um endlich das andere Ufer zu erreichen. Noch im Jahr zuvor hatte kaum Schnee gelegen und das blanke Schwarzeis zeigte phantastische Kristalle und Formen. Und wir stapften nun durch teilweise hüfttiefen Schnee und kämpften uns durch langgezogene Eisbarrieren. Die Sicht wurde ein wenig besser, aber trotzdem waren wir ein bisschen enttäuscht; besonders Kathrin als Fotografin hatte sich natürlich mehr erhofft. Am Nachmittag kamen wir durch die letzten Eisbarrieren in Küstennähe, sahen schon vereinzelte Gehöfte und die Züge der Transsib-Strecke, und schwenkten nach Perejomnaja ab, was am nächsten gelegen war. Erschöpft erreichten wir das Ostufer und liefen bis zur Haltestelle der Transsib, an der auch die Elektritschka, die Regionalbahn, hielt. Da noch zwei Stunden bis zum nächsten Anschluss zu überbrücken waren, kochten wir noch einmal Tee. Mit der Bahn fuhren wir dann nach Sljudjanka und von dort aus noch am gleichen Abend bis Irkutsk zurück. Eigentlich also ein ganz kleiner Dreitagesspaziergang, der nur wegen der Wetterverhältnisse "extrem" wurde ...