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Ausrüstung auf Wintertouren

Es sind zahlreiche Dinge zu beachten, wenn man im Winter nach Sibirien allgemein, oder speziell an den Baikalsee reisen möchte. Diese Dinge hängen sowohl von den jeweiligen Reisezielen, als auch von der gewählten Reiseart ab. Gemeinsam ist jedoch allem, dass es gilt, der bitteren Kälte am Tag und in der Nacht etwas entgegen zu setzen. Aus unseren Erfahrungen, die bei Touren und Expeditionen (zumeist zu Fuß) und bei Nächtigung in einfachen Hütten oder auch Zelten gesammelt wurden, sollen hier einige Hinweise und Anregungen für die Planung einer ähnlichen Tour gegeben werden. Vorangestellt sei noch, dass man natürlich allen Widerwärtigkeiten der Natur und Landschaft mit entsprechender Ausrüstung trotzen kann, doch es gibt auch viele Varianten, die preiswerter und oft auch besser dem Landescharakter angepasst sind. Einige davon sollen hier mit genannt werden.

Schlafen im Zelt

Der Schlaf ist, gerade in Situationen, in denen man gegen die Naturgewalten anzukämpfen hat, eine unentbehrliche Phase des Kraftschöpfens und der Erholung. Bei Temperaturen von unter -20°C sollten daher ausreichende Vorkehrungen getroffen werden, die vom Körper produzierte Wärme auch bei ihm zu halten. Das betrifft zum einen den Schlafsack, zum anderen auch die Isomatte. Bei Schlafsäcken ist wirklich einer zu wählen, der diese Temperaturen im Komfortbereich bewältigen kann. Schlafsäcke, die bis -10°C und etwas darunter reichen sind, wenn man sie hier testet, auch mollig warm, aber wann hat man hier schon mal -25°C und wann verbringt man hier bei solchen Temperaturen schon mal 3 bis 5 Tage im Freien? Die Vorstellung, im Zweifelsfalle noch ein paar Sachen mit hinein zu nehmen, ist auch nicht sehr gut, da gerade die Extremitäten, insbesondere die Füße, davon wenig haben. Meist sind die Socken feucht geschwitzt und kühlen die Füße so eher noch ab. Mit kalten Füßen kann man sehr schlecht schlafen - ich jedenfalls. Und auch das Wechseln von Kleidung sollte nicht überbewertet werden, denn bei der Kälte überlegt man nicht nur zwei mal, bevor man etwas kurzzeitig auszieht.

Die Isomatte ist eigentlich genauso wichtig wie der Schlafsack. Am besten bewährt haben sich bei uns dicke Schaumstoffmatten, auch wenn sie beim Transport sehr unhandlich sind. Die Stärke der Isomatte ist auch nicht zu unterschätzen. Je dicker, desto besser. Im Zweifelsfalle sollten lieber zwei Matten mitgenommen werden. Bei allen aufblasbaren Isomatten ist zu bedenken, dass man sie in der Kälte sehr schlecht reparieren kann und dass sie zugleich anfälliger gegen mechanische Einflüsse sind als einfache Schaumstoffmatten. Die Kälte macht das Material spröde und zugleich ist vieles, was sonst weich ist, bei -20°C hart und scharfkantig. Wir hatten immer wieder solche Probleme, weswegen darauf hingewiesen sei. Eine gängige Möglichkeit ist allerdings, eine dünne Schaumstoffmatte (zum Schutz) unter die aufblasbare zu legen. Rettungsfolien sind auch sehr sinnvolle Ergänzungen, die allerdings, wenn sie schon nicht mit in den Schlafsack genommen werden, wenigstens zwischen Schlafsack und Isomatte gelegt werden sollten, nicht unter die Matte. Schließlich wird durch sie die Wärmestrahlung reflektiert und deren Weg sollte, um etwas zu bewirken, möglichst kurz gehalten werden. Kältestrahlung gibt es nicht, da Kälte nur die Abwesenheit von Wärme umschreibt. Ein Abhalten der Kälte funktioniert in dem Sinne also nicht, sondern nur ein Zusammenhalten der Wärme. Ein wichtiger Hinweis zum Schlafen ist noch der, direkt nach dem Verlassen der Schuhe diese weit zu machen, damit man am nächsten Morgen wieder hinein kommt, denn auch Schuhe entwickeln die Geschmeidigkeit verfestigter Betonklumpen, wenn sie eine Nacht im Freien gestanden haben. Dieser Umstand wird besonders wichtig, wenn man sich Blasen gerieben hat!

Kleidung

Grundsätzlich sollte bei der Kleidung darauf geachtet werden, dass etwas zur Wärmedämmung und etwas zum Abhalten von Regen und vor allem Wind dabei ist. Während die Wintersonne in einer Bucht am Baikalsee durchaus das Gefühl von Wärme geben kann, ist die Empfindungstemperatur auf dem freien See mindestens doppelt so niedrig, wenn Wind geht. Auch das sollte keineswegs unterschätzt werden, gerade wenn man über die Mitnahme kleinerer Accessoires wie winddichte Überhandschuhe und Sturmhaube entscheidet. Windjacke und Windhose sind Pflicht, Daunensachen sind sehr zu empfehlen. Mehrere Schichten sind einer dicken vorzuziehen, weil man sich so besser an die jeweiligen Bewegungs- und Witterungsverhältnisse anpassen kann. Handschuhe, Schal, Mütze und dergleichen sollten lieber doppelt eingepackt werden, da der Verlust unter Umständen mehr als nur unangenehm werden kann. Die Anzahl der Schichten sollte so bemessen sein, dass man auch einmal 2 Stunden still sitzen kann ohne zu frieren. Die Körperhygiene wird bei einer Mehrtagestour und Übernachtung im Zelt im Allgemeinen stark zurückgefahren. Die Mitnahme von Wechselkleidungsstücken ist daher nicht zu übertreiben. Man sollte sich diesbezüglich keine Illusionen machen, denn wenn man ohnehin schon friert, zieht man sich nicht noch aus und reibt sich mit Schnee ab. Von dieser Maßnahme ist im Übrigen auch etwas allgemeiner abzuraten. Damit den Kreislauf eines frierenden Menschen etwas in Schwung zu bringen, hat vielleicht im Film Erfolg, in der Natur sollte lieber heißer Tee gereicht und ein Feuer gemacht werden. Der Vorteil der Kälte ist allerdings, dass sich kein starker Körpergeruch ausbildet. Dieser tritt erst dann zu Tage, wenn man in ein wärmeres Umfeld (Bus oder Hütte) kommt. Und auch dann, wenn man daheim den Schlafsack lüftet -;). Übrigens, das Zähneputzen klappt meistens - bisweilen muss halt die Tube am Körper erwärmt werden, bevor etwas herauskommt -;).

Schuhe

Schuhe sollten grundsätzlich warm sein und vor allem nach unten gut dämmen. Zum Wandern auf dem See sollten die Schuhe möglichst eine weiche Sohle haben. Auf dem Eis des Sees läuft es sich in etwa so wie auf einer Asphaltstraße, mit dem Unterschied, dass die Straße eben und das Eis gelegentlich mit vielen, schön anzusehenden, aber hässlich zu belaufenden Eisformationen übersäht ist. Zu harte Bergschuhe führen dort in den meisten Fällen zu Blasen an den Füßen. Eine sehr sinnvolle Erfindung ist in den vergangenen Jahren in die Bergsportläden gekommen. Sie nennt sich Kamik Icers und stellt eine Art Plastiksandale mit Vibramsohle dar, die unten mit Metallschrauben bespickt ist und über (bzw. unter) die normalen Schuhe mittels Klettverschluss "gezogen" werden kann. Sie sind, gerade was die Schrauben anbelangt, sicher noch verbesserungsfähig, aber für jemanden, der auf blankem Eis laufen will (oder muss) ein sehr nützliches Accessoire. Sollte der See zugeschneit sein, dann ermöglichen die Icers das Laufen auf den "Seestraßen", was enorme Geschwindigkeit einbringt.

Sonnenschutz

Trotz klirrender Kälte scheint in Sibirien im Winter im Allgemeinen die Sonne. Wenn dazu noch Schnee liegt, ist es nicht nur sehr grell, sondern man ist auch ziemlich schnell ziemlich rot im Gesicht. Daher sollte unbedingt an ausreichenden Sonnenschutz für Augen und Haut gedacht werden.

Feuer und Kochen

Wenn es kalt ist, dann braucht man Dinge, die warm sind. Ob direkt ein Feuer, ein Kocher oder auch nur heißer Tee aus der Thermosflasche, man sollte mehr als nur einen Gedanken an diese Dinge verschwenden, bevor es los geht. Unabdingbar ist eine Thermosflasche! Unterwegs hat man sicher nicht die Zeit, einen Kocher anzuwerfen, oder sogar ein Feuer zu machen. Trinken muss man gerade wenn es kalt ist viel, also solte lieber mehr mitgenommen werden, als dass man nachher Durst leidet oder/und friert. Wer einen Kocher mitnimmt, der sollte vorher genau prüfen, ob sein Treibstoff bei den niedrigen Temperaturen auch noch verbrennbar ist und wie viel für die Tour davon gebraucht wird. Auch hier sollte nicht zu knapp kalkuliert werden. Erstens wird mehr Treibstoff verbraucht, wenn es kalt ist, zweitens muss oft das Wasser erst geschmolzen werden und drittens ist die Wärmequelle die Überlebensgarantie. Gekocht wird mindestens zweimal täglich (morgens und abends), auch das sollte beachtet werden. Wer keinen Kocher mitnimmt, der braucht Holz und entsprechendes Werkzeug, um daraus ein Feuer zu machen. Zum einen ist eine Säge erforderlich. Wie sie letztendlich aussieht, ist egal, sie sollte nur einen gewissen Durchsatz schaffen können. Wir sind mit der guten alten Druschba immer ganz gut gefahren. Zum zweiten ist eine Axt nötig; es sollten hier besser zwei als eine mitgenommen werden. Hat man zwei, dann nimmt man eine Spaltaxt (eher stumpfes, schnell breiter werdendes Blatt) und eine normale, scharfe Axt mit. Zum Kochen kann man Emaille-Blecheimer nehmen, die einfach übers Feuer gehängt werden. Wenn man für eine entsprechende Konstruktion schon was dabei hat, ist das gut, ansonsten wird improvisiert - was eigentlich immer funktioniert. An eine große Kelle und das jeweilige Geschirr sollte entsprechend der Speisekarte gedacht werden. Für Gruppen bietet sich diese Variante an und wurde von uns fast ausschließlich praktiziert. Als Tipp: Zum schmelzen eignet sich Eis besser als Schnee, es kann auch besser von der Fundstelle zum Feuer transportiert (Rucksack) und gelagert werden. Manchmal sind die Wasserlöcher der Fischer nicht weit. Dort kann man auch direkt das Wasser aus dem See schöpfen, denn es dauert sehr lange, bis Eis geschmolzen ist.

Zelt

Zum draußen Schlafen benötigt man ein Zelt. Wer in kleiner Gruppe den See quert, der sollte ausreichend Eisschrauben und ein windstabiles Zelt dabei haben. Heringe bekommt man nicht ins Eis, da dieses - wie mit Hammer und Meissel bearbeitet - einfach ausbricht. Es muss nicht jede Schlaufe festgemacht werden, aber ein paar Abspannungen sollten - je nach Wetterlage - doch fixiert werden. Für Gruppen empfiehlt sich ein Gruppenzelt (Jurte o.ä.). Man kann hier gut Gewicht sparen, z.B. indem Wanderstöcke auch als Zeltstangen benutzt werden. Auf dem Land sind Heringe kein Problem, sie sollten nur stabil sein, da ihnen beim Herausholen ähnlich viel Gewalt angetan wird, wie beim Hineinschlagen. Das Jurtenprinzip (Feuer in der Mitte des Zeltes) hat bei uns nicht gut funktioniert, was zum einen am feuchten Holz lag (man muss nehmen was da liegt oder steht!) und zum anderen an der ausgeprägten Hochdruckwetterlage, die einfach keinen Kamineffekt aufkommen ließ.

Pulka

Wie befördert man mit möglichst wenig Aufwand größere Mengen an Gepäck (Zelt, Verpflegung, Brennstoff, ...)? Ob Schnee liegt oder nicht, der See bietet eine ebene, mehr oder weniger glatte Fläche, so dass der Gedanke schnell auf so etwas wie Schlitten oder Pulka fällt. Das ist auch eine hervorragende Transportvariante, da man locker das drei- bis fünffache von dem hinter sich herziehen kann, was man mit einem Rucksack noch bereitwillig tragen würde. Dabei hat man - zumindest am Anfang - immer noch das Gefühl, die Last sei gar nicht so schwer. Es sei allerdings aufgrund eigens gesammelter Erfahrungen dringendst davon abgeraten, seine Pulka mit 200 und mehr Kilogramm zu beladen. Das verringert die Freude an der Tour und das tägliche Wegpensum doch erheblich! Die spannende Frage ist jedoch, wo man am Baikalsee eine Pulka oder etwas Ähnliches herbekommt. Es besteht natürlich die Möglichkeit, sich eine Pulka zu kaufen (z.B. von Acapulka, Fjellpulken, Segebaden) und diese mit nach Sibirien zu nehmen. Aber zum einen sind die Dinger nicht ganz billig, zum anderen auch nicht all zu handlich. Eine Alternative heißt: selber bauen!

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