
Als der Fahrplan für den Tag angesagt wurde, konnten wir uns nur gerade so auf den Sitzen halten, da der Reiseleiter verkündete, dass die Tour bis abends 20.00 Uhr gehen sollte. Die Information hatten wir in Irkutsk glatt übersehen. Wir hatten damit gerechnet, schnellstmöglich ans Ziel zu gelangen und dort weiterzuwandern. Nur 84 Kilometer und dafür noch 10 Stunden? Das Rätsel, wie diese zu verbummeln seien, tat sich uns erst sehr langsam über den Tag verteilt auf.
Während der Halte, die ab Sludjanka in einem Intervall von 20 Minuten stattfanden, kletterten erst alle vom Zug, posierten dann 10-15 Minuten vor dem Baikal, vor einer Felsmauer oder am Ende eines Tunnels und stürmten dann wieder in den Zug um weiter zu essen, dem Reiseführer zu lauschen oder Karten zu spielen. Der Reiseleiter hielt uns während der Fahrt mit informativem Geschwätz auf dem Laufenden: "Dort sehen sie die "Turbasa" Baikaltourist, dort stehen ihnen für den Urlaub am Baikal 2-Zimmerbungalows und ein gepflegter Speisesaal zur Verfügung. Hier auf der rechten Seite sehen sie jetzt die Turbasa, auf der Wladimir Putin im letzten Jahr ein Treffen mit wichtigen Vertretern der GUS abgehalten hat. Sehen sie, wie schön dort alles aussieht, sogar einen neuen Steg haben sie gebaut und auch die Tennisplätze sind neu. Aber das alles ist natürlich nur für VIP's zugängig und hat seinen Preis..."
Beim fünften Halt waren wir schon etwas verstimmt, leider hatten wir auch morgens versäumt, Verpflegung mitzunehmen. Schließlich gibt es in Russland auf jedem Bahnhof Omas, die leckere Snacks verkaufen. Nur halt kurz vorm Baikal nicht! Und auf hungrigem Magen war diese Tour noch viel schlechter zu ertragen.